„Für viele Internetnutzer in Deutschland stellt die Diskussion um VDSL allerdings ein Luxusproblem dar, denn das Angebot ist auf wenige Großstädte beschränkt. In eher ländlich geprägten Räumen ist schon das ADSL-Angebot lückenhaft. Das Problem am weiteren DSL-Ausbau liegt in den hohen Kosten dafür, die Leitungen zu verlegen und die DSL-Technik näher zum Kunden in Gebieten mit geringer Absatzdichte zu bringen.....“ (Matthias Kurth, Präsident der BNetzA, VATM-Jahrbuch 2006, S. 41 )
In Deutschland gibt es keine Verpflichtung zur Grundversorgung mit Breitband (im Gegensatz z.B. zur Schweiz, wo zumindest eine Basisversorgung mit 600k gewährleistet sein muss). Seit der Entscheidung Anfang der 60er Jahre, die deutschen Haushalte (der westl. BRD) mit Kupfer-Doppeladern zu erschließen (bei damaliger Penetration von ca. 6% aller Haushalte), hat sich die öffentliche Hand aus der TK-Infrastruktur komplett zurück gezogen. Ende der 70er, Anfang der 80er wurden Teile der BRD noch mittels Koaxial-Kabel öffentlich gefördert versorgt. Seit dem tritt "der Staat" (wer immer das ist :-) als Investor bzgl. TK-Infrastruktur nicht mehr auf.
Die großen Carrier können fast nur in Groß- und Mittelstädten konkurrenzfähig Gewinn erwirtschaften. Hinzukommt, dass der Kapitalbedarf für eine flächendeckende Breitbandversorgung groß ist. Die Deutsche Telekom hätte, auch wegen der schwindenden Marktanteile, längst im ländlichen Raum investiert, wenn für sie ausreichend Gewinn erzielbar wäre. Vergleichbares gilt für die UMTS-Versorgung des ländlichen Raums durch T-Mobile, Vodafone oder andere.
Heute erhalten Endkunden im ländlichen Raum - wenn überhaupt - nur die niedrigst-möglichen DSL-Bandbreiten für Internet und Sprachdienste. Die in den Städten verfügbaren großen Bandbreiten (verbunden mit niedrigen Preisen) sind hier bis auf kleine Ausnahmen, nicht erhältlich. Auch die Versorgung für Gewerbetreibende entspricht bei weitem nicht dem Standard, der in Städten heute möglich ist. Im Ergebnis wird „das flache Land“ (auch das „hügelige“) von den modernen Netzen abgehängt, bzw. nur sehr langsam angebunden. Die Alternativangebote auf Basis von Funktechnik können in keiner Weise die heute bereits möglichen Bandbreiten in kabelgebundenen Festnetzen von über 10M pro Endverbraucher liefern.
Fazit: Es fehlen attraktive Geschäftsmodelle für den ländlichen Raum.
Die nachstehende Tabelle verdeutlicht das Problem unseres Erachtens sehr gut:
Einteilung
km²
Einwohner
pro km²
Gebiets %
Einwohner %
Städtisch
32.212,20
40.270.497
1.250
9,02
48,81
„Halb“-Städtisch
132.537,59
29.537.164
223
37,12
35,80
Ländlich
192.295,85
12.693.188
66
53,86
15,39
Summe
357.045,64
82.500.849
231
100,00
100,00
Quelle: Destatis 2006, Zahlen Stand Ende 2004
Auf einer vergleichsweise geringen Fläche Deutschlands (9%) lebt fast die Hälfte der Bevölkerung, mit zunehmender Tendenz. Daher ist es in den Städten sehr viel einfacher, die so genannten Skaleneffekte zu erzielen. In ländlich strukturierten Gegenden können diese Skaleneffekte teilweise gar nicht, oder nur sehr eingeschränkt, erzielt werden. Als Ergebnis der Privatisierung der Post und Telekommunikation Anfang der 90er investiert die privatisierte Deutsche Telekom überwiegend in ihre bereits verlegte Infrastruktur, um die hohen Verzinsungsanforderungen des globalisierten Kapitalmarktes zu bedienen. Dasselbe gilt für ihre privaten Wettbewerber.
Der ländliche Raum, und damit seine Bewohner und Gewerbetreibenden, erleiden durch die technischen Grenzen der alten Kupfer-Infrastruktur massive Nachteile im (internationalen) Standort-Wettbewerb:
Schlechtere Versorgung der Schulen und Kinder
Schlechtere Versorgung der Wohnbevölkerung
Höhere Kosten für die Netzanbindung von Filialen und größeren Firmen-Standorten an Rechenzentren
Wegzug von Gewerbe
Steuermindereinnahmen
Fazit: die ländlich strukturierten Gebiete werden buchstäblich abgehängt und sind damit (überspitzt formuliert) die Verlierer der Privatisierung.
UnserNetz realisiert im engen Verbund mit Städten und Gemeinden einerseits und privatem Kapital andererseits in den entsprechenden Gebieten ein frei zugängliches Breitbandnetz auf Basis von Glasfasertechnologie. Wir bieten damit eine technisch führende Alternative zu Angeboten der Deutschen Telekom, Arcor etc., als Netz für „unsere Gegend“. Es geht aber nicht alleine um moderne Technik. UnserNetz treibt die Vernetzung auch inhaltlich voran, in dem z.B. Vereine, Kirchengemeinden oder Schulen ihre Inhalte schnell und einfach verfügbar machen können. Damit hat der ländliche Raum einen Vorsprung gegenüber der Stadt: Lebensqualität plus Bandbreite!
Wir haben lange an einer Lösung gearbeitet. Die Kosten für eine Breitbandinfrastruktur sind direkt mit den Baukosten für die passive Kabelinfrastruktur verknüpft. Die Lösung ist die Mitnutzung bereits vorhandener kommunaler Versorgungs-Infrastrukturen (Abwasserkanäle, Kabeltrassen etc.).